2014 führte uns eine gemütliche Landpartie durch Rheinland-Pfalz in die Heimat des Goldtröpfchens, Piesport an der Mosel. Das Örtchen liegt in einer Moselschleife an einem der sicher steilsten befahrbaren Moselhänge. Und der Hang ist natürlich bis ins letzte Eckchen mit Wein bebaut. Und das schon seit 2000 Jahren, denn unten am Ufer fand man eine römische Weinkelter. Die ist nun zu Teilen wieder aufgebaut und öffnet einmal im Jahr, am ersten Oktoberwochenende ihre Tore. Das bedeutet, dass hunderte von Zuschauern kultgleich eine vom süßen Moselfusel erheiterte Prozession, angeführt vom heimischen Weingott Sucellus, bilden, die sich ihren Weg zu der archäologischen Stätte bahnt. Die Kelter wird zum leben erweckt, nackte Füße stampfen frische Trauben, unten fließt der fußsolenherbe Most aus dem Hahn, der anschließend in ein hölzernes Fass gegossen wird. Das ist echter Römerwein von der Mosel. Als beherzte Touristen haben wir mehrfach unseren Becher unter den Hahn gehalten, dieser frische Most ist eine Wohltat für die Kehle, Fußsohlen hin oder her.

Ein ganz anderes Spektakel für trinkfeste Freunde des Skurrilen ist der alljährliche Auftakt der Feierlichkeiten – die Moselweinprobe am Freitag. 16 Weine in drei Stunden bei Unterhaltung durch Sucellus und seine Weinköniginnen, diverse Bürgermeister und einen echten Land-DJ. Der Wein wird immer süßer, er fängt ja angeblich feinherb an, was aber nach unserem Geschmack – das unser bescheidenes Urteil als Weinlaien – immer noch weit entfernt von trocken ist. Das muss man natürlich mögen. Aber das Publikum ist authentisch – es besteht zu 90 Prozent aus einheimischen Winzern, die ihr eigenes Gebräu trinken. Vielleicht waren wir sogar die einzigen Gäste von auswärts, das ist möglich, aber umso lustiger. Mit offenem Mund haben wir beobachtet, wie der Winzer neben uns die feinherben Weine verschmähte und in den Spuckbecher schüttete, während er die richtig süßen am Ende nur so in sich hineinschüttete und der Kellnerin sogar eine Flasche davon abnahm. Huuuhuuuuu, dachten wir da und tunkten unsere Zungen in das süße Goldtröpfchen. Ganz klar kann man das nur mit einer guten Grundlage im magen ertragen, und die Knabbertüte vom örtlichen Bäcker reicht da kaum aus. Das wussten wir dann beim zweiten mal. Wie alle anderen präsentierten wir stolz unsere fünf prall gefüllten Tupperdosen mit Käse- und Salamiwürfeln, Träubchen und Minitomaten. Beim nächsten Mal wollen wir Freunde mitbringen und eine ganze bank besetzen und so tun, als wären wir auch eine Winzerfamilie.

